Radmode für fast alle Tage
posted by ThomasWir werden täglich oder wenigstens wöchentlich von den ewig gleichen Bildern und Filmchen neuer Mode, neuer Kreationen und noch nie dagewesener Trends beglückt, die man alle schon irgendwo gesehen hat. Jeder noch so andersdenkende Avantgardist seines Metiers hat mindestens drei Ahnen, die es ähnlich gemacht haben. Deshalb mag ich auch keine Menschen, die von sich behaupten anders zu sein, freier zu denken und weiter visualisieren zu vermögen als der in Normalbahnen schwebende Durchschnittsfadödgewöhnlichmensch.
Ein solcher bin nämlich ich, zumindest was Mode betrifft. Umso spaßiger ist es, wenn man sich als ein DFÖGM (<- Trendwort 2010) in diese Gefilde vorwagt, die man nie zu betreten hoffte. Und dann findet man sich plötzlich auf der Wohnzimmercouch stehend mit einem nigelnagelnugelneuen Nutcase-Helm Modell Superstar – das einzige Helmmodell, das meinem Naturell, wenigstens vom Namen her, auf Sichtweite herankommt – und einer frisch erworbenen Wathose, bereit Dinge zu tun, die man noch nie zuvor nur angedacht hatte.
Nun, die Wathose habe ich mittlerweile eingeweiht, genau genommen eingesaut, wenn man die Tatsachen erkennt, den Helm jedoch noch nicht. Was sagt mir das, als einem, der stets gern auf Rädern saß, sie vorwärts, rückwärts, im Kreis und geradeaus bewegte? Es sagt mir, dass eine Wathose niemals ein Fahrrad ersetzen kann, auch wenn sie von noch so schöner Farbe ist. Wie unglaublich herzerwärmend wäre dieses Bild, trüge es ein Veloziped in sich, vermittelte es den zarten Charme verchromter Muffen, die stolz blinkend im Sonnenstrahle gleißen, der mit der Erhabenheit des lange herrschenden Königs über die Welt die Muffe anstupst und sie im freudvollen Glanz, der sich über seine Majestät erhebt, gewähren lässt. Und sei’s nur für diesen einen Moment.
Nun, veloromantische Aspekte nicht stattgefundener Fotoshootings ließen sich beliebig weiter spinnen. Schließlich war ich noch gar nicht beim genüßlichen Ächzen steifer Kettenglieder angelangt, die sich mit wonniger Genugtuung in frischem Öle suhlen, sobald ich sie mit jenem beträufle, auf dass sie weiter und weiter, ohne Rast, mal oben sind, mal unten, in steter kurbelbetriebner Rotation das Herrchen treu ans Ziel befördern, an dem sie geduldig unter dem rauschenden Blätterdach von Bruder Baum oder im vor Käferchen raschelnden Grase von Schwester Wiese liegend auf es warten, bis es wiederkommt, sobald es die Zeit dafür für reif erklärt.
Und dann nimmt das Herrchen den Superstar, setzt ihn sich auf den Kopf und denkt sich: Schön ist es auf der Welt zu sein.






Die Wathose kommt am Wochenende an anderer Stelle zum Einsatz, der Helm lässt sich eventuell nächste Woche Montag oder Dienstag besichtigen. Vielleicht ist ja ein Tag schön genug für ein After work-Bierchen.
Herrlich! Wann kann ich dich endlich MIT HELM und in Watthosen live am Ratt bewundern?

Bussi aufs Glatzi aus dem 10.Hieb