Religionskrieg goes Radweg in Brooklyn

posted by Alec

brooklyn_bikerhasid Die Front verläuft 14 Blocks weit, mitten in Williamsburg, dem ziemlich angesagten Stadtteil in Brooklyn, der sowohl bei jungen New Yorker Hipsters, orthodoxen Juden, zukünftigen Konzernleitern und auch sonst durchwegs beliebt ist. Gentrification wie sie im Lehrbuch steht, mit allen erwartbaren Überwerfungen und -schneidungen von verschiedenen alteingesessenen und neumodernen Lebensstilen. Ziemlich für Aufsehen sorgt nun dieses Symptom: Ein aus religiösen Gründen entfernter Radweg – und dessen Rückeroberung…

brooklyn_girlbike…durch die lokale Fahrradszene. Was war geschehen? Die belebte Bedford Avenue verläuft mitten durch das traditionelle Wohnviertel der traditionellen Hasids oder chassidischen Juden in Williamsburg – und führt gleichzeitig den Radstreifen von der Williamsburg Bridge zu den Appartments der überaus aufgeklärten jungen Hipsters, die gerne eher salopp bekleidet abhängen, bei den sommerlichen Konzerten am Flussufer zum Beispiel, in ihre Stammkneipen oder nach Manhattan rüber radeln und somit – jedenfalls nach Argumentation der hasidischen Gemeinde – religiöse Gefühle durch ihre (fehlende) Kleidung verletzen. Und für Verkehrsgefahr sorgen.

Soweit der aus hasidischer Sicht vermutlich nachvollziehbare Ansatz. Erstaunlich ist die Folge: Das Department of Transportation NYC läßt aus diesen Gründen den Radstreifen tatsächlich entfernen! WTF, denkt sich da zurecht die aktivistische Radszene, ob nun urcoole Hipsters oder basisdemokratische Bike-Advocats, und greift zu Gegenmaßnahmen, Spraydose und Kartonschablone. Über Nacht ist der Radstreifen wieder zurück!

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brroklyn_bikeclownsNun folgt der nächste Zug im (Dodl)schach: Zwei der AktivistInnen werden in diesem Video erkannt und auf die Polizeiwache zitiert, Anklagen u.a. wegen Sachbeschädigung warten auf sie. Interessant: Festgenommen wurden sie von einer jüdischen Nachbarschaftswacht, der Shomrim. Nun folgen natürlich heftige Diskussionen in real world und Blogosphere, Sonntags findet eine wahrscheinlich eher unbekleidete Protestfahrt statt, die radwegbewachende Spaßguerilla der Bikeclowns hat sich angekündigt und die Behörden werden jeden Pinselstrich wieder und wieder entfernen. Dazu meinen die AktivistInnen:

“We are New York City bicyclists and our message is clear. Don’t take away our bike lanes. We use this stretch of Bedford Avenue because it is a direct route to the Williamsburg Bridge. We will continue to use it whether or not there is a bike lane here, but not having one puts us at greater risk from cars. That’s why bike lanes exist – for safety. Do not try to remove them, or we will put them back for our own safety.”

Mitten im Spiel steht absurderweise Baruch Herzfeld, ein Radaktivist und orthodoxer Jude, der in South Williamsburg einen Fahrradclub betreibt. Klassiches Dilemma.

Und velosophie meint: Keep on painting!

brooklyn_i_love_nyc

3 responses to “Religionskrieg goes Radweg in Brooklyn”

  1. [...] Gear Fahrräder nicht mehr wegzudenken sind aus den Metropolen auch wenn Presse, die Polizei oder religiöse Fundamentalisten es gern hätten. Es war klar KS Cycling braucht auch ein [...]

  2. ks says:

    Super Bericht, danke. Wollte schon was darüber schreiben als ich den New York Post -Artikel darüber las aber dann kam mir die Grippe dazwischen. Ist ja auch schwer zu fassendes Thema, wer will schon was gegen Juden schreiben?

  3. Thomas says:

    So ein Schwachsinn, sollen’s halt wegschauen, die Orthodoxen. Rückschritte aus religiösen Gründen regen mich, gelinde ausgedrückt, schon ziemlich auf.

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