Rio-Radla #2: Die Porträtserie geht weiter…

posted by wolfgangaichinger

… mit Maurício, Fußgänger und Radfahrer in Brasiliens Megacity: Aktive Mobilität – dieses Konzept, das durch die schon vorgestellte NGO Transporte Ativo in Rio mit viel Geschick verbreitet wird, ist für viele Menschen bereits Realität. Mehr als ein Drittel aller Wege (37 Prozent) in der 11 Millionen Metropolregion Rio de Janeiro werden nicht-motorisiert zurück gelegt. Der überwiegende Teil entfällt dabei auf das zu Fuß gehen, immerhin 3,2 Prozent oder mehr als 640.000 Wege werden aber täglich mit dem Fahrrad zurück gelegt.

Dabei ist die Kombination aus zu Fuß gehen und Radfahren vor allem aus ökonomischen Gründen für viele Menschen die einzig verfügbare Option. In ganz Brasilien leben mehr als 30 Millionen Menschen, die sich keinen Busfahrschein leisten können und in Fragen Mobilität auf ihre eigene Muskelkraft angewiesen sind. Dennoch ist Aktive Mobilität mehr als nur Zwang: Rio de Janeiro ist kompakt und in weiten Teilen der Stadt liegen die einzelnen Bereiche des täglichen Lebens wie Wohnen, Einkauf, Arbeit oder Ausbildung nicht funktional und räumlich weit voneinander getrennt. Dies bietet gute Voraussetzungen, um bewusst mit dem Rad zu fahren oder zu Fuß zu gehen.

Maurício (32) lebt seit seiner Geburt in Rio de Janeiro und legt die meisten Wege im Alltag zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Er wohnt im Süden der Stadt und bewegt sich vor allem in den Vierteln Flamengo, Botafogo und Laranjeiras. Die Situation auf den Straßen von Rio ist weder für Fußgänger noch für Radfahrer als angenehm zu beschreiben – der motorisierte Verkehr in Form von Autobussen, Taxis und privaten Pkws dominiert die Szenerie. Trotz allem stellt die Aktive Mobilität für Maurício – und viele andere – die günstigste und oft auch schnellste Wahl dar. Einige Freunde von Maurício nützen Tag für Tag die Radwege entlang der Küste, um mit dem Fahrrad zu ihren Jobs im Zentrum zu gelangen. Am Wochenende dient das Fahrrad zusätzlich der Entspannung, wenn Maurício zum Beispiel die verschiedenen Strände der Stadt (hier im Bild: Praia Vermelha am Fuße des Zuckerhuts) besucht.

4 responses to “Rio-Radla #2: Die Porträtserie geht weiter…”

  1. Kris S says:

    so ein projekt sollte auch in Sao Paulo geben. der vekerh dort ist ein chaos und mehr radfahrer sowie radwege würden einiges verbessern :-)

    1. wolfgangaichinger says:

      Unbedingt! Radfahrer sind echt ne seltene Spezies in Sao Paulo … in den Randgebieten, der endlosen Periferie jedoch gibts wohl ungefähr gleich viel wie in Rio, nur sind die halt für die Politik eher unsichtbar und werden nicht grad verwöhnt …

  2. anna says:

    Radwege an der Kueste klingt ja nett. Wie kann man sich die vorstellen? Gibt’s auch sonst entsprechende Infrastruktur?

    1. wolfgangaichinger says:

      Ja, die meisten der Radwege in Rio verlaufen entlang des Strands … mehr oder weniger vom Stadtzentrum bis ans Ende von Barra, mit ein paar Unterbrechungen … die sind auch ganz gut beieinander und werden viel genutzt, da macht’s echt Spaß, am Rad … manchmal verlaufen sie in Parks, meistens aber zwischen Strandpromenade und Hauptfahrbahn (mind. 4 Spuren, 70 km/h) … is mitunter also auch ganzschön lebhaft, dort zu fahren

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