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	<title>velosophie &#187; 2008-01</title>
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	<description>Magazin für Fahrradkultur</description>
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		<title>:: velovision &#124; Begegnungszonen</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 03:42:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alec</dc:creator>
				<category><![CDATA[2008-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehr Raum f&#252;r das Fahrrad in der Stadt: Welche Konzepte in der Schweiz bereits verwirklicht wurden, und worauf wir bei uns noch hoffen d&#252;rfen
In einer Begegnungszone wird der Stra&#223;enraum wieder zum Lebensraum
Eine der Aufgaben der Verkehrsplanung ist es, Prognosen zur Verkehrsentwicklung zu erstellen. Eine andere, Ma&#223;nahmen zu entwickeln, um unsere St&#228;dte nicht im Autoverkehr versinken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Mehr Raum f&#252;r das Fahrrad in der Stadt: Welche Konzepte in der Schweiz bereits verwirklicht wurden, und worauf wir bei uns noch hoffen d&#252;rfen</em></strong></p>
<div id="attachment_737" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/begegnungszonen_1.jpg" rel="lightbox[322]"><img class="size-medium wp-image-737" src="http://velosophie.at/files/2009/05/begegnungszonen_1-300x215.jpg" alt="Begegnungszonen: die Stra&#223;e als Lebensraum" width="300" height="215" /></a><p class="wp-caption-text">In einer Begegnungszone wird der Stra&#223;enraum wieder zum Lebensraum</p></div>
<p>Eine der Aufgaben der Verkehrsplanung ist es, Prognosen zur Verkehrsentwicklung zu erstellen. Eine andere, Ma&#223;nahmen zu entwickeln, um unsere St&#228;dte nicht im Autoverkehr versinken zu lassen. Keine Umsetzung solcher Konzepte, keine Lebensqualit&#228;t mehr in unsereren St&#228;dten. So einfach funktioniert die Rechnung.</p>
<p>Wir sind gegenw&#228;rtig konfrontiert mit überlasteten Stra&#223;en, hohem Verkehrsl&#228;rm und starker Luftverschmutzung. Zudem findet ein beinharter Verdr&#228;ngungskampf auf unseren Stra&#223;en statt: Radfahrer flüchten vor den Autos auf die Gehsteige und in die Fu&#223;g&#228;ngerzonen, dort wiederum geraten sie mit den schw&#228;chsten Verkehrsteilnehmern – den Fu&#223;g&#228;ngern – in Konflikt. Das Resultat ist eine aggressive, unkooperative Atmosph&#228;re. Was über Jahrzehnte als L&#246;sung galt – ein weiterer Ausbau der Autoinfrastruktur –, ist heute keine L&#246;sung mehr. Denn neue Autostra&#223;en erzeugen bekanntlich noch mehr Autoverkehr.</p>
<p>Zur Bew&#228;ltigung der Probleme sind neue, nachhaltige L&#246;sungen gefragt. Erfolgreiche Beispiele aus dem In- und Ausland zeigen, dass innovative Mobilit&#228;tsangebote rasch und wirksam umgesetzt werden k&#246;nnen. Innerhalb von nur fünf Jahren k&#246;nnten wir den Verkehr in unseren St&#228;dten wieder menschengerechter gestalten. Erkl&#228;rtes Ziel sollte eine rasche Wende, hin zu einer menschengerechteren Stadt, sein: Alle Verkehrsteilnehmer – Fu&#223;g&#228;nger, Radfahrer und auch Autofahrer – sollten ohne Konfliktpotenzial gleichberechtigt nebeneinander existieren k&#246;nnen.</p>
<p><strong>DAS FAHRRAD – EIN EXZELLENTES STADTFAHRZEUG</strong><br />
Das Fahrrad hat eine ausgezeichnete Energiebilanz, braucht sehr wenig Verkehrsfl&#228;che, ist leise und schadet nicht der Luftqualit&#228;t. Zudem tr&#228;gt es zu einem aktiven, gesunden Lebenstil bei. R&#228;umen wir also dem Fahrrad bei unserem Blick in eine m&#246;gliche Zukunft einen wichtigen Platz ein.</p>
<p>&#214;sterreichische St&#228;dte k&#246;nnten innerhalb der n&#228;chsten Jahre  folgendes Fahrradangebot aufweisen:<span style="color: #6495ed"><br />
» <em>Begegnungszonen</em></span>, in denen Stra&#223;en wieder zu Lebensr&#228;umen werden. In solchen Zonen ist das Tempo des Verkehrs den schw&#228;chsten Verkehrsteilnehmern angepasst. Als H&#246;chstgeschwindigkeit gilt 20 km/h. Fu&#223;g&#228;nger, Radfahrer und Autofahrer – alle sind gleichberechtigt auf einer gemeinsamen, attraktiv gestalteten Fl&#228;che unterwegs. Man hat wieder Platz zum Flanieren und geht wieder gerne in der Stadt einkaufen. Gerade für Einkaufsstra&#223;en ist dieses Modell ein Erfolg. Die Kunden sind zu Fu&#223;, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto unterwegs. Auch bei hohen Verkehrsfrequenzen organisiert sich der Verkehr selbst.</p>
<div id="attachment_740" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/dsc06330_sw.jpg" rel="lightbox[322]"><img class="size-thumbnail wp-image-740" src="http://velosophie.at/files/2009/05/dsc06330_sw-150x112.jpg" alt="sichere Abstellpl&#228;tze f&#252;r Fahrr&#228;der" width="150" height="112" /></a><p class="wp-caption-text">sichere Abstellpl&#228;tze f&#252;r Fahrr&#228;der</p></div>
<p>» <span style="color: #6495ed"><em>Sichere und ausreichende Fahrradabstellpl&#228;tze</em></span> sowie Radstationen. Gut konzipierte Fahrradabstellpl&#228;tze sind ein zentraler Bestandteil der Fahrradf&#246;rderung. Platzprobleme, Raddiebstahl, Vandalismus, ein regennasser Sattel oder Besch&#228;digungen geh&#246;ren der Vergangenheit an. Wenn am Zielort solche Abstellpl&#228;tze zur Verfügung stehen, wird man für den Weg zum Bahnhof, zum Einkaufen oder zur Arbeit gerne das Fahrrad nehmen. An wichtigen Orten wie an Bahnh&#246;fen oder in innerst&#228;dtischen Gesch&#228;ftszentren stehen zudem Radstationen zur Verfügung. Das sind bewachte Anlagen, die auch weitere wichtige Dienstleistungen wie Reparatur oder Radverleih anbieten. Manche Radstationen betreiben sogar einen Fahrrad- Hauslieferdienst für Eink&#228;ufe und einen Kurier für eilige Gesch&#228;ftssendungen. Die Kunden haben mit einer speziellen Chipkarte Zutritt zu allen Radstationen im Land.</p>
<h1 style="text-align: left;padding-left: 30px"><span style="text-decoration: underline"><strong>&#8220;Von der Autostadt zur Fahrradstadt, und das ohne hohen finanziellen Einsatz, dafür aber mit durchdachten Konzepten. Eine Vision, die keine bleiben muss, wie das Beispiel Schweizer St&#228;dte zeigt&#8221;</strong></span></h1>
<div id="attachment_742" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/chatelat-002_sw.jpg" rel="lightbox[322]"><img class="size-thumbnail wp-image-742" src="http://velosophie.at/files/2009/05/chatelat-002_sw-150x97.jpg" alt="Fahrrad-Hauslieferdienst" width="150" height="97" /></a><p class="wp-caption-text">Die eingekauften Waren werden mit Elektro-Fahrrad und Anh&#228;nger nach Hause geliefert</p></div>
<p>» <em><span style="color: #6495ed">Fahrrad-Hauslieferdienst</span><span style="color: #6495ed">:</span></em> Für den Gro&#223;einkauf muss nicht mit dem Auto ins Einkaufszentrum am Rande der Stadt gefahren werden, sondern dieser kann auch im Stadtzentrum erledigt werden – ohne Auto.Das Prinzip dieses „Kofferraumersatzes“ ist bestechend einfach: Der Kunde gibt die Waren im Gesch&#228;ft ab, und nach Terminvereinbarung werden die Besorgungen mit Elektro- Fahrrad und Anh&#228;nger bis vor die Haustür geliefert. Dadurch ist das Einkaufen komfortabel und stressfrei. Statt des Autos nimmt man das Fahrrad oder flaniert gemütlich und unbesorgt von Gesch&#228;ft zu Gesch&#228;ft. Ohne Eile und Ballast g&#246;nnt man sich zwischendurch eine Auszeit im Café. Mit dem Fahrrad-Hauslieferdienst werden wiederum die innerst&#228;dtischen L&#228;den gegenüber der Konkurrenz „auf der grünen Wiese“ aufgewertet.</p>
<p>» <em><span style="color: #6495ed">Weitere Angebote und Dienstleistungen</span>:</em> Zahlreiche gut aufeinander abgestimmte Angebote runden in unserer Velo-City der Zukunft das Mobilit&#228;tsspektrum ab. Elektro- Fahrr&#228;der mit Tretunterstützung er&#246;ffnen beispielsweise Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen ungeahnte neue Bewegungsm&#246;glichkeiten. Ein kostengünstiger Fahrradverleih, wie er etwa bereits in Wien oder Paris besteht, funktioniert mit Anpassungen auch für kleine und mittlere St&#228;dte. Hochwertige, sichere und gut vernetzte Radverbindungen geben dem Radfahren einen hohen Stellenwert. Auch der &#246;ffentliche Verkehr berücksichtigt die Bedürfnisse der Radfahrer, indem das Fahrrad in eigenen Waggonbereichen oder in Bussen mit Fahrradanh&#228;nger mittransportiert werden kann. Nicht zuletzt wird die Bev&#246;lkerung laufend über das Mobilit&#228;tsangebot informiert und zum Radfahren motiviert.<br />
<strong><br />
AUFBRUCH ZU NACHHALTIGER MOBILIT&#196;T</strong></p>
<div id="attachment_744" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/chatelat-013_sw.jpg" rel="lightbox[322]"><img class="size-medium wp-image-744" src="http://velosophie.at/files/2009/05/chatelat-013_sw-300x206.jpg" alt="nachhaltige Mobilit&#228;t" width="300" height="206" /></a><p class="wp-caption-text">Eine Form nachhaltiger Mobilit&#228;t</p></div>
<p>In einigen europ&#228;ischen L&#228;ndern sind neue und innovative Angebote und Dienstleistungen im Entstehen, und viele sind – insbesondere in der Schweiz – bereits erfolgreich umgesetzt worden. Was 1996 im Schweizer Burgdorf als „Flanierzone“ begann, ist heute im ganzen Land unter dem Begriff „Begegnungszone“ weit verbreitet. In der Begegnungszone betr&#228;gt die H&#246;chstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer 20 km/h, Fu&#223;g&#228;nger haben gegenüber dem Fahrverkehr Vortritt, sie dürfen jedoch die Fahrzeuge nicht unn&#246;tig behindern. Die Niederlande, das Deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen und die Schweiz sind bei der Erstellung von Radstationen Vorbilder. In der Schweiz wurde 1997 die erste bewachte „Velostation“ des Landes er&#246;ffnet. Heute sind in der Schweiz insgesamt 18 Radstationen mit j&#228;hrlich rund 10.000 zufriedenen Kunden in Betrieb. Man geht davon aus, dass durch den Bau einer Radstation an einem Bahnhof ca. 12.5 % der dort parkenden Autofahrer aufs Rad umsteigen. In einigen Schweizer St&#228;dten gibt es bereits einen so genannten „Velo-Hauslieferdienst“. Dieser ist meist bei einer Radstation angeschlossen und wird durch ein Arbeitslosenprogramm betrieben. Das Angebot stellt gem&#228;ss einer Untersuchung des Hauslieferdienstes Burgdorf ein betr&#228;chtliches F&#246;rderungspotenzial für das Radfahren dar: So sind 21 % der Nutzer innerhalb von fünf Jahren nach Einführung im Einkaufsverkehr vom Auto auf das Rad (+18 %) umgestiegen oder gehen zu Fu&#223; (+3 %).<br />
__________________________<br />
text JULIAN BAKER</p>
<div id="attachment_735" class="wp-caption alignleft" style="width: 86px"><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/julian_baker.jpg" rel="lightbox[322]"><img class="size-full wp-image-735" src="http://velosophie.at/files/2009/05/julian_baker.jpg" alt="Julian Baker" width="76" height="78" /></a><p class="wp-caption-text">Julian Baker</p></div>
<p>Dipl.-Ing. Julian Baker hat an der Universit&#228;t f&#252;r Bodenkultur in Wien studiert und ist im Berner B&#252;ro f&#252;r Mobilit&#228;t sowie im Vorstand des Fachverbands Fu&#223;verkehr Bern als Mobilit&#228;tsexperte t&#228;tig. Zudem ist er Redaktionsleiter der Mobilit&#228;tsplattform <a href="http://www.mobilservice.ch" target="_blank">www.mobilservice.ch</a></p>
<p>Kontakt: baker.mobil@bluewin.ch</p>
<p><a href="http://www.miezemedusa.com" target="_blank"><br />
</a></p>
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		<title>:: velotravel &#124; Cuba: Hasta la bicicleta siempre!</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 22:05:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alec</dc:creator>
				<category><![CDATA[2008-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Mountainbike durch das Hinterland des Socialismo Tropical.
Siempre adelante! So lautet der Wahlspruch der kubanischen Provinz Holguin: Immer Vorw&#228;rts! Kubanische Provinzen und St&#228;dte haben alle Wahlspr&#252;che, meistens wechseln sich darin die blumigen Worte Revolucion, Rebelde, oder Heroismo ab. Nicht nur das kubanische Volk, auch wir k&#246;nnen etwas rhetorische Unterst&#252;tzung gut gebrauchen: Immer vorw&#228;rts passt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_alec.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="size-thumbnail wp-image-660 alignleft" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_alec-150x100.jpg" alt="cuba_alec" width="150" height="100" /></a>Mit dem Mountainbike durch das Hinterland des Socialismo Tropical.</p>
<p><strong>Siempre adelante! </strong>So lautet der Wahlspruch der kubanischen Provinz Holguin: Immer Vorw&#228;rts! Kubanische Provinzen und St&#228;dte haben alle Wahlspr&#252;che, meistens wechseln sich darin die blumigen Worte Revolucion, Rebelde, oder Heroismo ab. Nicht nur das kubanische Volk, auch wir k&#246;nnen etwas rhetorische Unterst&#252;tzung gut gebrauchen: Immer vorw&#228;rts passt da grunds&#228;tzlich bestens, sitzen Stefan und ich doch schon seit Tagen im Sattel unserer R&#228;der, mit allem Notwendigen und keinem bisschen mehr beladen, und pedalieren &#252;ber die staubigen Pisten und durch die zahlreichen B&#228;che der Provinz Holguin im S&#252;den der gr&#246;&#223;ten Karibikinsel: Cuba, alter Brennpunkt weltpolitischer Auseinandersetzungen um ideologische Weltmacht und neuer Fokus exotischer Traumbilder von Rum, Sonne und Revolutionsromantik.<span id="more-320"></span></p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_family.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="alignright size-medium wp-image-661" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_family-300x200.jpg" alt="cuba_family" width="300" height="200" /></a>Die Provinz Holguin grenzt im S&#252;den an Guantanamo, den s&#252;d&#246;stlichen Landesteil mit der ber&#252;chtigten Basis der USA. Sie liegt an unserem Weg. Wir werden diese sumpfige Gegend einige Tage sp&#228;ter aus der Ferne in der flirrenden Hitze sehen k&#246;nnen, mehr unklare Vorstellung hinter verminten Landz&#252;gen als tats&#228;chlich vorhandenes Lager. Jetzt sind wir weit von politischen Realit&#228;ten entfernt, befinden uns nahe am Paradies, einem hei&#223;en, feuchten, steilen Idyll, dem unwegbaren Flusslauf des Rio Catalina folgend. Wir radeln unter Palmen und Farnen durch saftig gr&#252;ne, h&#252;gelige Landschaften, die Sonne steht strahlend hoch &#252;ber uns und l&#228;sst die Wasseroberfl&#228;chen glitzern. Gestern hatten wir uns von der Carretera Central, der touristisch erschlossenen Hauptstrasse an der K&#252;ste, entfernt und sind in d&#252;nn besiedeltes aber dicht bewachsenes Gebiet vorgedrungen. Bei unseren Fragen nach der L&#228;nge des Wegs bis zum Tagesziel San Juan bekommen wir immer wieder die Auskunft: „Muchos rios!“, viele Flussdurchquerungen. &#220;ber zwanzig waren es schon heute, das erfrischt. Oft erscheint es kl&#252;ger, den Fluss bergan zu nehmen, wie es auch die Traktoren morgens mit ihren vollbeladenen Anh&#228;ngern tun. Sie transportieren Kinder zur Schule.</p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_orangen.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="alignleft size-medium wp-image-662" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_orangen-300x200.jpg" alt="cuba_orangen" width="300" height="200" /></a>Die Nebel lichten sich: Gr&#252;ne Berge, bedeckt mit K&#246;nigspalmen, &#252;ber fruchtbaren T&#228;lern. Es ist gerade eine Woche her, dass wir unsere R&#228;der im Dunkeln am Provinzflughafen montiert und bepackt haben,  und doch haben wir schon viel von dieser Insel gesehen, langsam, vom Fahrrad aus, auf gleicher H&#246;he und in gleicher Geschwindigkeit mit den meisten Cubanos. Benzin ist sehr rar, seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fehlt die Hauptversorgungsader der Insel, die karge Zeit des staatlichen Sparprogramms Periodo Especial und die damit einhergehende &#214;lknappheit hat nachhaltige Folgen: Die weltweit bekannten 50er-Amischlitten und die zahlenm&#228;&#223;ig &#252;berlegenen, weniger bekannten Moskwitschs fahren selten. Cuba f&#228;hrt viel Rad, und das kaum allein. Viele der chinesischen R&#228;der haben vor dem Lenker Holzsitze f&#252;r eine Chica montiert, Kleinfamilien reicht ein einziges Rad, Obsttransporte sind keine Seltenheit und in den Provinzst&#228;dten ersetzt das Bici-Taxi, die karibische Spielart der Rikscha, das benzinbetriebene Pendant.</p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_rikscha2.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="alignright size-medium wp-image-663" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_rikscha2-300x200.jpg" alt="cuba_rikscha2" width="300" height="200" /></a>Es ist hei&#223;. Das gute: St&#228;ndig weht k&#252;hler Gegenwind. Das schlechte: St&#228;ndig weht starker Gegenwind. Auf den asphaltierten Stra&#223;en fanden wir oft f&#252;r kurze Strecken Begleitung auf R&#228;dern, neugierig, freundlich und offen wurde unser Vorhaben besprochen. K&#246;stliche, saftige Toronjas, Grapefruits, brachten uns &#252;ber manche Durststrecke. Regalo, geschenkt. Ein B&#228;ckermeister hatte mich in sein Haus mitgenomen, um unsere Rucks&#228;cke mit Dulce, S&#252;&#223;geb&#228;ck zu f&#252;llen. Manche alte Senora lie&#223; sich nicht davon abbringen, uns den Inhalt ihrer letzten eingek&#252;hlten Flasche Agua aus dem K&#252;hlschrank in unsere Radflaschen zu f&#252;llen. Wir h&#228;tten auch das Warme daneben genommen, aber Hospitalidad und Solidaridad werden in Kuba nicht nur vorgeschrieben, sondern gelebt &#8211; wenn die Jineteros in den Touristenst&#228;dten diese Prinzipien auch mit manifest monet&#228;ren Forderungen verbinden.</p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_rikscha.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="alignleft size-medium wp-image-664" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_rikscha-300x200.jpg" alt="cuba_rikscha" width="300" height="200" /></a>Anders in den l&#228;ndlichen Gebieten: Arroldo hatte uns vor vier Tagen an der Playa Carinthia entdeckt, wir hatten in verlassenen staatlichen Strandh&#228;uschen vor dem Dauerregen Schutz gesucht, er war der H&#252;ter der Anlage, ein wenig erf&#252;llender Job. Da die Lebensmittelbeschaffung trotz Devisa nicht die leichteste Aufgabe im l&#228;ndlichen, armen Cuba ist, waren unsere Vorr&#228;te ziemlich am Ende. Arroldo verstand die Problematik sofort, holte mit einer langen Stange zahllose Kokosn&#252;sse von den ringsum platzierten Palmen und schwang die Machete. In K&#252;rze waren wir mit Milch und Fruchtfleisch regelrecht abgef&#252;llt, zur &#220;berbr&#252;ckung. Denn bald hatte er einen Companero organisiert, der wiederum Brot mit Ei organisierte, um danach die Einladung zu Fischsuppe, Rind und Reis auszusprechen. Wir tafelten also bis in den Abend am regennassen Strand und konnten nur etwas Rum beisteuern. 200 Pesos verdiene er im Monat, dazu k&#228;men die Zuteilungen der Libretá, der Lebensmittelrationierung, und der kleine Garten. Wiederholt boten wir ihm eine uns angemessen erscheinende Summe f&#252;r unser Mahl an, aber er lehnte strikt ab. Nur unser Rum schmeckte ihm vorz&#252;glich. Dabei erz&#228;hlte er, dass seine Tochter bald 15 Jahre alt werde, die Fiesta de los quince stand n&#228;chstes Jahr vor der T&#252;r. Dies ist der gr&#246;&#223;te Feiertag im Leben der Kubanerinnen, Hochzeiten finden selten und sparsam statt. Zur Quincas werden Verwandte und Freunde eingeladen und verk&#246;stigt, die Jubilarin herausgeputzt und mit 15 verschiedenen prachtvollen Kleidern fotografiert, Trova und Salsa d&#252;rfen nicht fehlen. Das verschlingt Unsummen an Pesos – dennoch nahm der stolze Arroldo keinen einzigen von uns. Nur sein Freund Riccardo hatte meine Flipflops gern behalten.</p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_cigar.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="alignright size-medium wp-image-665" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_cigar-300x200.jpg" alt="cuba_cigar" width="300" height="200" /></a>Nun sind wir schon weit von diesem Strand entfernt und platzen in eine fr&#246;hliche morgendliche Runde nahe eines Dorfes am Rio Catalina namens Naranja Dulce, s&#252;&#223;e Orange. Die Campesinas und Campesinos hatten sich schon unter einem schirmf&#246;rmigen Schattendach aus Palmwedeln versammelt und lie&#223;en den Selbstgebrannten kreisen. Die Feier f&#228;nde anl&#228;sslich des Internationalen Tags der Frau statt. Nicht nur dazu wurden wir lauthals lachend eingeladen und zu Reisezielen und Herkunft befragt – „Austria, Europa, Nieve??“; „Ja, bei uns liegt gerade Schnee!“ – sondern auch ausgiebig versorgt: Unsere Packtaschen waren bald mit frischgepfl&#252;ckten Tomaten und einer riesigen Flasche hausgemachten Orangensirups gef&#252;llt. Daran w&#252;rden wir noch schwer und lange schleppen, aber Gastfreundschaft ist eben eine gegenseitige Verpflichtung. Campesinos schenken uns Orangen, w&#228;hrend wir im Fluss baden. Krokodile? G&#228;bs hier keine.</p>
<p><a href="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_road.jpg" rel="lightbox[320]"><img class="size-medium wp-image-666 alignleft" src="http://velosophie.at/files/2009/05/cuba_road-300x200.jpg" alt="cuba_road" width="240" height="160" /></a>Also steigen wir wieder auf unsere R&#228;der, beschwingt und fr&#246;hlich verabschiedet, um weiter zu radeln, &#252;ber die unsichtbare Provinzgrenze im Busch, Richtung Guantanamo. Immer vorw&#228;rts! Zwei Ortschaften weiter, in Frijoles a.k.a. Bohnen, sollte uns eine Einladung zum Kaffee erwarten, im darauffolgenden Kreisst&#228;dtchen Palenque eine b&#246;se &#220;berraschung: Auf der staubigen Dorfstra&#223;e w&#252;rde uns ein polobehemdeter Dorfpolizist mit verkehrt montierten Sporen nach unserer Sondergenehmigung fragen, die uns dazu berechtigen k&#246;nne, so weit von der touristischen Carretera unterwegs zu sein – und wir w&#252;rden mit erstauntem Gesicht beobachten, wie er unsere R&#228;der in Arrestzellen sperrt, unsere P&#228;sse kassiert und vom einzigen Telefon im Ortskrankenhaus – die medizinische Versorgung in Cuba ist ja vorbildlich – nach Guantanamo telefoniert, wohin uns sp&#228;ter ein LKW bringen sollte. Aber das wissen wir ja jetzt noch nicht. Au&#223;erdem w&#252;rden wir auf besagtem LKW sp&#228;ter Rolando kennenlernen, der uns wiederum mit polizeilichem Auftrag in stockfinsterer Nacht &#252;ber bremsenverschlei&#223;ende Trampelpfade per Rad nach Guantanamo bringen w&#252;rde, wobei Stefans Felge brechen und Ronaldos Bruder Huén einen Radmechaniker finden und&#8230; daraufhin ginge es weiter, immer vorw&#228;rts, bis nach La Habana. <strong>Siempre Adelante!</strong></p>
<p>(Autor &amp; Fotos: <a href="http://velosophie.at/velosophinnen/alec/">Alec</a> Hager)<strong><br />
</strong></p>
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		<title>Velosophie 1-08 &gt; online durchbl&#228;ttern!</title>
		<link>http://velosophie.at/magazin/2008-01/velosophie-1-08-online-durchblaettern/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Mar 2008 21:11:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Flo</dc:creator>
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