:: velotravel | Von Kairo zum Kap: 12.000 km durch Afrika

Rad fahrende Filmemacher begleiten das afrikanische Radabenteuer

Die Tour d’Afrique

desertDie Route der Tour d’Afrique führt beinahe 12.000 km durch den afrikanischen Kontinent, von der ägyptischen Metropole Kairo nach Kapstadt, vom arabischen Norden in den subsaharischen Süden. Sie stellt nicht nur größte physische Anforderungen an die teilnehmenden RadfahrerInnen, sondern belohnt sie auch mit ungeahnten Schönheiten und der unmittelbaren Nähe zu einer fremden Welt. Neben dem athletischen Aspekt stehen die Pflege interkulturellen Verständnisses und Fundraising für Umweltprojekte im Zentrum des Abenteuers. Das Fahrrad ist dafür nicht nur das unmittelbarste Fortbewegungsmittel, sondern auch Träger seiner eigenen Botschaft: Räder bieten große Chancen für die afrikanische Bevölkerung, können Mobilität und wirtschaftliche Möglichkeiten bringen. 120 Tage dauert die Tour, davon werden 96 im Fahrradsattel verbracht, durchschnittlich 123 km am Tag zurückgelegt. Zehn Staaten werden passiert: Entlang des Nils durch Ägypten und den Sudan, über die Simian Mountains in Äthiopien und weiter zum Äquator in Kenia. Vorbei am Mount Kilimanjaro zum Malawi See und den Viktoriafällen in Zambia, entlang der Kalahari in Botswana und der Namibischen Wüste bis zum Endpunkt am Fuße der Tafelberge: Kapstadt, Südafrika. Die Tour d’Afrique kann als Rennen bestritten werden – jede Tagesetappe über die unglaubliche Distanz wird in Renntempo unter starker Konkurrenz zurückgelegt – oder in der Gruppe der Expeditionsfahrer. Diese bestreiten die selben Tagesetappen im eigenen Tempo und können sich so intensiver dem Erlebnis der vielfältigen Natur und den Begegnungen mit den offenherzigen Menschen an der Strecke widmen.

2008 begleiteten die nordamerikanischen Filmemacher Benny und Christian Zenga sowie Brian Vernor die Tour mit ihren Kameras und ihrer fantasievollen Fahrradbegeisterung. Die Zenga Bros. sind weltweit dem Publikum des Bicycle Film Festivals als Urheber von begeisternden Kurzfilmen wie „Ski Boys“ bekannt und präsentieren beim BFF 2009 gemeinsam mit Brian Vernor den Langfilm „Where are you go?“ über ihre Erlebnisse in Afrika. Hier erzählen sie für Velosophie von ihren Abenteuern und Impressionen.

Wohin des Wegs?

woodyDie drei Rad fahrenden Filmemacher sahen den Trip unter dem Aspekt der Erfahrung, ihr Interesse lag nicht in der sportlichen Bewältigung, sondern im Erleben der Begegnungen und Landschaften. „Perplexes Staunen begleitete mich den ganzen Weg“, fasst es Benny zusammen. „Armut war ein ständiger Begleiter, aber ebenso Lächeln und Lachen. Vor allem in Äthiopien konnte ich kaum verstehen und ertragen, wie Menschen hier ohne Regen, ohne Grün, ohne Bäume leben können und müssen. Die äthiopischen Staubstraßen wurden von den Kindern beherrscht, sie jagten in großen Gruppen hinter uns her, mit ausgestreckten Armen und zerschlissener Kleidung. Aber Kinder sind überall Kinder. Wenn wir anhielten, um Hallo zu sagen, ein paar Kung Fu-Bewegungen ausführten, wollten sie sofort spielen.“ Brian fügt hinzu: „Bei einer Reise mit dem Rad fehlt dir da jede Barriere oder Distanz.“

Momente Der Begegnung

tallGerade ihre Fahrräder gaben in allen Gegenden sofort Gelegenheit zum gestikulierenden Gespräch und zu freundschaftlichen Kontakten: „Viele Afrikaner haben eine große Affi nität zum Fahrrad als Transportmittel und als Freizeitgerät. Oft wurden wir auf kurzen Stücken von Anrainern begleitet, zu kurzen Rennen herausgefordert – und auch geschlagen. Bei Gelegenheit verliehen wir unsere Fahrräder an aufgeregte Einheimische, die unsere exotischen Maschinen ausprobieren wollten. Für uns war da der kommunikative Austausch wichtig: Momente, die von Begegnungen geprägt werden.“ Ursprünglich waren die Amerikaner mit zwei Stahlrennrädern und einem Mountainbike unterwegs, eines der Räder trug mit Xtra-Cycle- Anbau das Kamera-Equipment. In Äthiopien schufen sie aus den beiden Rennräden ein Tall-Bike, indem sie die beiden Fahrräder übereinander montierten. Auf diesem Monster – sie tauften es „Tall Horse“ – fuhren sie abwechselnd die gesamte restliche Strecke und sorgten so für lauthalse Begeisterung in den Dörfern und Städten. „Das Tall Horse veränderte unsere Begegnungen mit den Einwohnern komplett! Jedes Dorf begrüßte uns mit einem Ausbruch von Gelächter und Gejohle, die Menschen erkannten, dass man uns nicht allzu ernst nehmen muss, wollten bei dem Spaß dabei sein, bestaunten das Rad und wagten sich auf Proberitte. Plötzlich wurden wir von den Beobachtern zu den Beobachteten – und zu einem Teil der lokalen Fahrradkultur!“

Bicycle-Empowerment

opopDa das Fahrrad vor Ort einfache Möglichkeiten zur Selbständigkeit bieten kann, existieren in Afrika viele westliche Entwicklungsprojekte zur Bereitstellung von Rädern, für die auch die Tour-Fahrer Geld sammelten. „Diese Projekte haben einen realen, nützlichen Einfl uss auf lokale Gemeinschaften. Organisationen wie BEN (Bicycle Empowerment Network) und Africycle sind hier sehr wichtig. Sie entstanden aus der Einsicht ‘Afrika braucht Fahrräder! Und wir hier haben genug!’ und entwickelten sich zu nachhaltigen Projekten, die z.B. über Radwerkstätten in Malawi zusätzlich ein Waisenhaus erhalten können“, beschreibt Benny die positiven Eff ekte. Positiv und unvergesslich bleiben auch die Eindrücke der Tour: „Für mich ist die Welt nun ein gänzlich anderer Ort. Afrika hinterlässt uns demütig ob seiner Schönheit und Stärke, angesichts der Seele seiner Menschen“, schließen Benny und Brian.

Tour-Infos: www.tourdafrique.com

(Fotos: Brian Vernor, Benny & Christian Zenga, Text: Alec Hager)

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