Velovote: Elektrorad – Zukunft oder Zinnober?

Das E-Bike ist in aller Munde, die Trendvuvuzelas sind unüberhörbar pro Elektro, auch velosophie hat schon manchen Pedelec-Test gemacht und begleitet soeben die E-Bike-Initiative von Wien Energie in der aktuellen Ausgabe. Angesichts dieses Hypes regt sich aber auch Kritik und Unbehagen, so wie auch Anna in ihrem Blogbeitrag ihr persönliches Unbehagen mit dem bedenkenlosen Bejubeln der E-Mobility formuliert hat. Was denkt ihr?

Anna meinte: “Denn wenn’s um Elektroräder geht, bin ich Fundamentalistin. Um nichts in der Welt nämlich, will ich mein Fahrgefühl hergeben. Das Gefühl, die Bewegung zu spüren, die ganz von innen kommt, sich von meinen Beinen langsam um das Fahrrad wickelt und mich vorwärts treibt. Das ist Freiheit und Unabhängigkeit!”

Dem gegenüber stehen tatsächliche Bedürfnisse für elektrisch untertützte Mobilität, massive Förderungen von Elektrorad-Ankauf in allen Bundesländern, geleerte Lagerbestände der Pedelec-Hersteller bzw. Händler und aufmerksamkeitsökonomisch motivierte Eröffnungen von Steckdosen aka E-Bike-Ladestationen durch PolitikerInnen. Die Diskussion erreichte schon den Linzer Radgipfel 2010 und wird auch in Rad-Aktivisten-Kreisen geführt, suggeriert die Glorifizierung von Akku und Drehkraftsensor doch indirekt, das gute alte unmotoriserte Rad wäre ein undynamisches Ding. Welch abstruse Vorstellung! Worauf fährst du ab?

Muskelkraft oder E-Power - Welchen Antrieb bevorzugst du beim Fahrrad?

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Und was glaubt ihr, findet tasächlich ein Mobilitätstransfer vom Auto zum E-Rad statt, oder nicht eher vom Sofa oder Normalrad zum E-Bike? Und belastet diese Art der Mobilität nicht zusätzlich die Energiebilanzen, wenn die Entwicklung so weitergeht? Kommentiert eure Meinung hier!

7 responses to “Velovote: Elektrorad – Zukunft oder Zinnober?”

  1. Bevor ich hier meinen Senf dazu gebe, eine Bemerkung. Anscheinend gibt es Unterschiede im Sprachgebrauch der einzelnen EU-Länder, selbst wenn sie wie wir – ich bin Münchner – die selbe Sprache sprechen. Leider finde ich die EU-Richtlinien zu dem Thema gerade nicht, aber wenn ich mich recht entsinne, ist es wie folgt: Das Pedelec (Pedal Electric Cycle), auch EPAC (Electrically powerassisted cycle) genannt, max. 250 Watt, Abschaltung des Motors bei 25km/h, gilt als Fahrrad. Das Pedelec Schweizer Klasse oder S-Klasse mit 500 Watt schaltet bei 45km/h ab und benötigt in Deutschland wie Mofas ein Versicherungskennzeichen. E-Bikes sind quasi Elektromofas, erforden kein Mittreten und benötigen bei uns ebenfalls ein Versicherungskennzeichen. Der Begriff E-Bike wird jedoch auch in der Werbung gerne für Pedelecs gebraucht, also gehe ich davon aus, daß es das ist, worüber wir hier in erster Linie reden.

    Pedelecs sind eine Schweizer Erfindung aus dem Jahr 1992 und waren ursprünglich dafür gedacht, Senioren ihre Mobilität zu erhalten. Da aber selbst in der Schweiz offensichtlich nicht genügend Senioren 2000€ dafür übrig hatten und sich die Produktion von Fahrrädern und Komponenten zu dem Zeitpunkt eh schon hauptsächlich auf Südostasien konzentrierte, hat man dort die Zielgruppe einfach auf Menschen erweitert die es meiner Meinung nach gar nicht brauchen. Das nahende Ende der konventionellen Automobilindustrie spielt meines Erachtens die ausschlaggebende Rolle. Genau so wie das klassische Fahrrad der Wegbereiter des Autos war, etliche Dinge die wir damit assozieren zuerst für das Fahrrad erfunden und von der Autoindustrie nur übernommen wurden (Dunlop z.B. ist der Name eines schottischen Tierarztes der den Luftreifen für Fahrräder erfand), soll das Elektrofahrrad als Wegbereiter und Testobjekt (Akkutechnik, Antriebe, etc.) für das Elektroauto dienen. Bosch bring dieser Tage den ersten Pedelec-Antrieb auf den Markt. Die Probleme die uns das Automobil die letzten 100 Jahre beschert hatte, werden dadurch nicht weniger. Ich hatte das Glück, vor kurzem bei einer öffentlichen Vorlesung des Wiener TU-Professors Knoflacher an der Münchner TU teilzunehmen und bin von seinen Ansichten überzeugt. Wer ihn nicht kennt, sollte diesen bemerkenswerten Österreicher kennenlernen, im Internet gibt es etliches von ihm zu lesen.

    Fazit: Die ursprüngliche Idee die zur Erfindung der elektrisch unterstützen Fahrräder Anlass gegeben hat, war gut. Was wir jetzt sehen ist es keineswegs. Ich kann mich noch gut an die 70ger Jahre erinnern, als Mofas für 5 Jahre der große Renner waren. Dem Pedelec oder E-Bike prophezeie ich eine ähnlich kurze Erfolgsstory, was mir Sorge bereitet, ist das, was anschließend daraus entsteht.

    Grüße aus der Radlhaupstadt München

    Robert L. Baer

  2. Thomas says:

    Ich bin einer von den Wien Energie E-Bike Testern und möchte folgendes dazu sagen:

    -Man muss nicht alt oder gebrechlich sein, wenn man 20KM täglich zu seinen Arbeitsplatz fährt, noch dazu über einen Berg drüber muss, kommt sogar ein gut trainierter Mensch zum Schwitzen. Danach 8 Stunden oder mehr verschwitzt neben seinen Arbeitskollegen zu sitzen ist dann nicht so angenehm. Das kann einem ein E-Bike ersparen.

    -Die meisten E-Bikes sind PEDELECS, das sind normale Fahrräder bei denen man selber treten muss, der Motor Unterstützt das Treten, also macht man auch auf einen E-Bike etwas für seinen Körper. Wie viel das ist, kommt auf den Fitness-Zustand der Person und den Unterstützungsmodus an.

    -Das mit den “schnellen E-Bikes” verstehe ich nicht. Ein E-Bike darf lt. Gesetz max. 25 km/h mit Motorkraft angetrieben werden. Und schneller gehen die Dinger wirklich nicht. Mit meinen Rennrad fahre 40 km/h! Klar gibt es auch PEDELECs die schneller gehen, aber mit Zulassung, Kennzeichen und Helmpflicht. Und so einen habe ich noch nie gesehen.

    -Wenn man mit einen E-Bike wirklich Leute motivieren kann vom Auto auf das Fahrrad um zusteigen, ist das eine gute Sache.
    Noch besser wäre umsteigen auf ein normales Fahrrad. Denn erst ohne Akku ist man wirklich Umweltfreundlich unterwegs.

    -Das Akku-Recycling ist aus ökologischer Sichtweise wirklich problematisch. Komisch finde ich nur, dass immer nur die Bike-Akkus angesprochen werden, den das selbe Problem hat man auch z.B. bei allen Handwerkzeugen, Taschenlampen und sonstigen Batterien.

    Aber warum werden eigentlich nur E-Bikes gefördert und keine normalen Fahrräder?
    Ich finde auch es wäre Sinnvoller das Geld für den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur zu verwenden sowie die Aufhebung der Radwegbenützungspflicht.

    Ich werde mir selber auch kein E-Bike kaufen (zu teuer und Umwelt-Unfreundlicher Akku) aber eine schlechte Sache finde ich es nicht.

    Übrigens: Elektrofahrräder gibt es schon seit über 25 Jahren.

  3. Am Anfang habe ich auch die E-Bikes für ziemlich unnötig gehalten aber mittlerweile habe ich meine Meinung geändert und bin überzeugt, dass man viele Autofahrer zum Umsteigen bewegen kann. Ich habe z.B. ein Bekannter, er ist 69 und wohnt in Klosterneuburg am Berg. Bisher ist er immer mit dem Auto gefahren, jetzt fährt er E-Bike wenn er etwas erledigen will. Ein anderes Beispiel ist Pater Eugen bei der Pfarre Glanzing. Zur Messe am Kaasgraben fährt er E-Bike. Kopenhagen ist Bretteleben aber Wien schaut da etwas anders aus.

    Ich glaube auch, dass wenn es mehr schnelle E-Bikes gibt werden sie bessere Radwege bauen müssen und es wird leichter sein die Radwegebenützungspflicht abzuschaffen.

  4. nina says:

    e-bikes sind umwelttechnisch problematisch – wohin mit den akkus, wenn sie leer sind?

    und abgesehen von ein paar abgelegenen alpentälern: wo braucht man’s wirklich?

    außerdem: radanlagen sind jetzt schon zu voll (ich fordere die aufhebung der radwegepflicht!), und die wechselseitige sicherheit von radlern wird durch die deutlich schnelleren e-bikes nicht gerade gefördert.

  5. Dothebart says:

    Ich finde die Umfrage unangenehm polarisierend. Auch wenn man fuer sich selber die Notwendigkeit zum Hilfsantrieb nicht gegeben sieht, kann man den Sinn fuer andere durchaus sehen.

    Ich finde das etwas nervige sirren der Motoren immer noch deutlich angenehmer als der Krach und den Gestank, den Mofas und Fruchtzwerge verbreiten.

    Wenn mich das von der Radwegpflicht entbinden wuerde, wuerde ich mir auch einen kleinen motor montieren ;-)

  6. Plepe says:

    Ich steh den E-Bikes auch sehr gespalten gegenueber.

    Was ich am Rad liebe ist die Unabhängigkeit und auch das reine Gefühl mich durch meine eigene Kraft fortzubewegen. Ich kenn aber schon auch, dass wenn ich müde bin, dass das treten anstrengend und múhsam ist. Klar, da würd ich mir schon manchmal etwas Zusatzschub wünschen. Aber Anstrengung ist doch nicht per se etwas schlechtes, oder? Das hält fit und gesund.

    Klar, die Hersteller*innen wünschen sich, dass Leute abhängig von Ihnen sind. Darum sind z.B. Schaltungshebel so schwach gebaut, dass sie nach wenigen Jahren kaputt sind, Akkus verlieren ihre Kraft auch nach recht kurzer Zeit und müssen getauscht werden. Städte müssen ein E-Tankstellen-Netz aufbauen. Tolle Sache für die Firmen :)

    Ha, sogar etwas Kapitalismuskritik untergebracht ;)

    Viel wichtiger als die Förderung von E-Bikes wäre es, die Stadt radfreundlicher zu gestalten. Mehr Abstellmöglichkeiten, vor allem auch vor den Geschäften (also bei den Geschäften bei mir im Bezirk gibts keine Radbügel). Weniger Ampeln (ausser an stark befahrenen Straßen wie z.B. Gürtel). An den stark befahrenen Straßen wo es keinen Spaß macht auf der Fahrbahn zu fahren Radwege (z.B. Getreidemarkt, Wienzeile entlang des Naschmarktes, …). Reduzierung des Auto-Parkplatzangebots und stattdessen lebenswertere Straßen (dann und wann ein Bankerl, vielleicht sogar ein Tischerl, mehr Grünflächen, …).

    -> Wie wärs mit einer Förderung für den Neukauf von Fahrrädern? Speziell für Lastenräder?
    -> Eine “neue” Verschrottungsprämie für Autos? Für jedes verschrottete Auto gibts je 500 Euro Förderung für bis zu 4 Räder?

    Und wer dann wirklich elekrisch biken will … nun, ich möchts niemanden ausreden … besser E-Bike als gar kein Bike :)

    Plepe.

  7. peter says:

    JA – es gibt Fälle wo ein E-bike sinn macht. Aber sehr sehr wenig. Lastenräder für Lasten ab 100kg und wirklich “gebrechliche” Menschen. Aber sonst?

    Sonst braucht mensch einfach kein E-Bike. So wie Mensch keine elektrischen Muskeln zum Gehen braucht. Radfahren ist so was simples. E-Bikes suggerieren einerseits wie anstrengend radfahren denn ohne Motor ist, was ja ein Lobbyargument der Autoindustrie sein könnte. Und nicht stimmt.

    EIn Blick nack Kopenhagen zeigts: Unzähliger RadlerInnen auf der Strasse. Die Ihre Einkäufe, Kinder, Ehemänner und Blumenerdesäcke durch sie Stadt fahren. Ohne E-bike.

    E-Bike ist ein Marketingschmäh von KTM und den anderen Radherstellern. Und mir graut davor dass die ohnehin bereits überfüllten Radflächen von lauter E-Mopeds dominiert werden. Weil darauf laufts hinaus.

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