Velovote: Radfahren mit Helm – Pflicht oder verzichtbar?
Unsre Umfrage zum Thema Helmpflicht für RadlerInnen: Pro oder Contra? Diese Frage gewinnt grad wieder etwas Raum und Aufmerksamkeit. Wieso bloss? Gegen eine Helmpflicht sprechen sich nicht nur Alltagsradlervertreter in Österreich (IG Fahrrad, Radlobby.at) und rundherum (ADFC, Pro Velo CH, ECF, eigentlich alle…) und manche von denen mans nicht erwarten würde (sogar der ÖAMTC!) aus, es sprechen auch eine Menge Argumente dagegen (siehe zB in diesem Positionspapier). Dennoch ist es einigen Akteuren am Politik- und PR-Markt ein Anliegen, einer Helmpflicht das Wort zu reden. Zuvorderst dem KfV, der nicht umsonst von Versicherungsgesellschaften finanziert wird. Ein heißes Thema nur im sommerlichen Loch?
Kernagument der Helmpflicht-Befürworter: Wer auf den Kopf stürzt sollte dazu verpflichtet werden, etwas drauf zu haben, damit er Unfallkrankenhäuser nur von außen sieht.
Kernargumente der Helmpflicht-Gegner: Eine Radhelmpflicht reduziert als Nutzungshürde den ohnehin niedrigen Radverkehrsanteil, Kopfverletzungen sind sogar im Haushalt oder Auto häufiger als auf dem Rad und an Unfallursachen ändert ein Helm am Kopf nix, an den Unfallfolgen auch nur in bestimmten Fall-Fällen.
Grundgefühl von VelosophInnen: Ich kann mich wohl selbst entscheiden, ob und wann ein Helm angebracht ist, auf meinem Kopf nämlich. Sicherer wärs ja, Autolenkende würden ruhigen Kopf bewahren!
Natürlich wollen wir wissen ob wir mit dieser Meinung allein sind, also hier unsre neue Velovote:
Helmpflicht für Radfahrende - abstruse Idee von Medienboulevard und Versicherungslobbies oder eine lobenswerte Vorschrift im Interesse aller? Was meinst du?
- Nicht nur dass eine Radhelmpflicht den Radanteil senken wird, würden tatsächliche Sicherheitsmaßnahmen im Verkehr mehr bringen. Nein zur Kopfbedeckungspflicht! (88%, 95 Votes)
- Radhelme sind schön bunt, schützen sicher und machen fröhlich. Das kann nicht schlecht sein und muss für alle gelten! (12%, 13 Votes)
Total Voters: 108






sehr interessante Diskussion zum Thema Helmpflicht auf der Homepage vom Spiegel:
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,660328,00.html
Die ARGUS wurde bisher nicht erwähnt, ist aber auch gegen die Helmpflicht
http://www.argus.or.at/info/helmpflicht
tatsächlich, australien, schon vorreiter bei der rad-helmpflicht, arbeitet am autofahrer-helm-stirnband..
http://www.copenhagenize.com/2009/10/australian-helmet-science-for-motorists.html
Ich fahre seit Anfang der 1990er mit Helm. Meistens jedenfalls. Häufig belacht und verspottet. Allerdings hat sich das im laufe der Jahre doch sehr gewandelt. Heute lacht keiner mehr und für meine drei Töchter gehört der Helm zum Radfahren wie der Löffel zur Suppe.
Eine Helmpflicht lehne ich jedoch ebenso ab wie eine Nummernschildpflicht, welche ja hin und wieder im Zusammenhang mit Haftpflichtversicherungsansinnen diskutiert wird.
Radfahren sollte eine niedrigschwellige Fortbewegungsmöglichkeit bleiben. Umweltfreundlich und billig für jeden. Die allgemeinen Lebensrisiken lassen sich nunmal nicht auf Null minimieren. In diesem Sinne sollte jeder frei entscheiden können, ob er generell, oder nur beim Radfahren, oder ab und zu, oder nie, einen Helm trägt. Außerdem befürchte ich mit Einführung einer Helmpflicht einen drastischen Preisanstieg für Helme, gerade in den unteren Preislagen.
Fußgänger sind im Prinzip genauso gefährdet wie Radfahrer – es gibt auch genug Kopfverletzungen z.B auf Glatteis. Warum also nicht gleich eine Helmpflicht für alle die gerade nicht an einem ortsfesten Platz sitzen oder schlafen? Würde sicher lustig aussehen wenn die Parlamentssabgeordneten auf den Gängen des Parlaments mit dem Helm unterwegs sind – und viel sicherer! Selbst bei einem Schlaganfall oder bei unabsichtlich zusammenstoßenden Personen keine Kopfverletzungen mehr… Wer’s vergessen haben sollte: im April 2008 gab’s einen Zusammenstoß zweier Fußgänger in Wien bei dem einer der beiden sogar an den Kopfverletzungen starb! Mit Helm wäre das nicht passiert.
Helmpflicht ist meiner Meinung nach bei Radfahrern genauso übertrieben wie bei Fußgängern.
Jeder Mensch soll sich frei entscheiden können, ob er mit oder ohne Helm unterwegs ist. Es gibt schon viel zu viel Bevormundung in unserer Gesellschaft… Ein grundsätzliches Umdenken im Straßenverkehr im Sinn von mehr Mit- anstatt Gegeneinander würde wesentlich mehr zur Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern beitragen!!
Ein Helm hilft zweifelsfrei gewisse Unfallfolgern zu mildern, verhindert aber kein einziger Unfall. Die Autolobby versucht durch die Helmpflicht, von andere dringend notwendige unfallverringernde Maßnahmen, wie eine generelle Verringerung des Tempos auf den Straßen, abzulenken. Gerade bei Kollisionen mit KFZ nutz ein Helm am wenigsten, wie die Statisiken beweisen. Es gibt nirgendwo auf der Welt ein statistisch bewiesener Zusammenhang zwischen hohe Helmquote und niedrige Verletzungszahlen.
Statistisch eindeutig bewiesen ist aber der Zusammenhang zwischen viel Radverkehr und ein niedrigens Unfallrisiko. Die beste Maßnahme ist daher – mehr Radfahrer auf der Straße.
“Ein Helm ist am Fahrrad unbedingt empfehlenswert, sowohl
für Mountainbiker als auch für Alltags- und Freizeitradfahrer. [...]”
Das ist korrekt und bei dieser Empfehlung sollte es bleiben.
der KfV sieht übrigens grad ein rad-armageddon heraufträuen in seiner heutigen pro-helm-presseaussendung:
“Etwa jeder zwanzigste Mountainbiker und auch jeder zwanzigste Radfahrer zieht sich eine Gehirnerschütterung zu.”
die straßen wären gepflastert mit gehirnerschütterten radlern..
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090715_OTS0043